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Praxistest der Live-Streaming-App

Erfahrungsbericht: Taugt Twitters Periscope für Musiker?

Tipps für Musiker und Bands von Michael Erle
veröffentlicht am 06.06.2016

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Erfahrungsbericht: Taugt Twitters Periscope für Musiker?

Die oeffentliche Probe einer amerikanischen Band live auf Periscope von Twitter. © MKB

Michael Erle ist Sänger und Bassist der Band Stereo Monument aus Oberschleissheim. Die Jungs rocken seit 2005 gemeinsam und experimentieren neben dem Saitenzupfen auch immer mit neuen Ideen. Hier schildert Michael die jüngsten Erfahrungen mit der Live-Streaming-App Periscope von Twitter.

Neulich waren wir wieder experimentierfreudig und haben einen Wohnzimmer-Gig über Periscope gestreamt (Stereo Monument sind dort übrigens unter www.periscope.tv/stereomonument zu finden).

Wir haben ein Smartphone auf einem Glas balanciert, so dass es einen guten Blick auf die behelfsmäßige Bühne hatte, und einfach ohne große Vorankündigung übertragen. Es sollte ein Experiment sein, wie man neues Publikum gewinnt und die neue Technologie benutzt.

1. Versuch: Absturz nach zehn Minuten

Wir spielten das erste Set, dann warfen wir einen Blick auf das Handy. Zum Glück war in der Zwischenzeit niemand so durstig und hat nach dem Glas gegriffen. Auch das Telefon war noch da.

Aber die App war es nicht: sie war nach zehn Minuten abgestürzt. Als ich die Statistiken prüfte, war ich überrascht zu sehen, dass wir ein größeres virtuelles Publikum gehabt hatten als real – nicht um viel, aber für den ersten Versuch doch interessant.

2. Versuch: Ein beachtliches Publikum

Wie versuchten es beim zweiten Set wieder und verwendeten dieses Mal einen kleinen Ständer für das Handy (wir waren komplett am Herumprobieren) – mit ähnlichem Resultat: Wieder ein Crash (diesmal nach 25 Minuten), wieder ein beachtliches Publikum.

Ab und zu gab es Probleme mit Leuten, die im Bild herum spazierten, und der Autofokus der Kamera war manchmal verwirrt, worauf er sich denn einstellen sollte, wodurch die Bilder unscharf wurden.

Wie bei Periscope üblich waren die Videos noch 24 Stunden lang online (und bekamen noch mehr Zuseher), bevor sie gelöscht wurden.

Unser Fazit

Ich bin mir nicht ganz im Klaren, was uns das Format eigentlich bringt. So wie sie derzeit ist, taugt die Plattform nicht als Marketinginstrument:

  • Jeder der an unserer Musik interessiert ist, müsste nach uns suchen, um eine CD, die Live-Termine oder Downloads zu finden. Sogar unsere Follower können wir nicht direkt ansprechen, um ihnen diese Information zukommen zu lassen: die Messaging-Funktionen auf Persicope sind entweder nicht vorhanden oder zu gut versteckt.
  • Als Musiker bin ich auch unzufrieden mit dem miesen Sound, den wir verbreiten. Ich wünsche mir eine Desktop-App, die ich mit dem Output des Mischpults füttern kann. Aber selbst dann würde die nötige Datenkompression des Streaming ein bescheidenes Resultat ergeben. Vielleicht ist das einem Publikum egal, dass auf dem Smartphone mithört. Mich stört es.
  • Außerdem kann man Periscope eigentlich nur über ein gutes WLAN nutzen. Wohnzimmerkonzerte haben das bisweilen, aber wenn wir auf die Straße gehen oder elektrisch verstärkt in den Club, wird es das kaum geben.

Das Fazit ist also dieses: Im Augenblick nutzt uns Persicope nicht viel.

Das mag sich ändern, wenn die Plattform (und die instabile App) weiterentwickelt werden. Wir werden noch ab und zu damit herumspielen und prüfen, was passiert. Aber 'Stand heute' wird Periscope sicher kein großer Teil unserer Marketing-Strategie.

Wie sind eure Erfahrungen?

Habt ihr Periscope oder eine andere Art des Live-Streamings bereits verwendet? An euren Erfahrungen sind wir ebenfalls sehr interessiert!

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Personen

Michael Erle

aus Oberschleißheim Stereo Monument und DEEdots, Autor bei Backstage PRO

Artists

Stereo Monument

Harter Rock und melodische Einwürfe mit dreistimmigem Vocal-Team vor Powertrio-Besetzung aus Oberschleissheim

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