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"Mietpreise treiben Angstschweiß auf die Stirn"

Musikförderung in München: Wie euch das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen kann

Interview von Lucas Pentzek
veröffentlicht am 19.10.2018

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Musikförderung in München: Wie euch das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen kann

Jürgen Enninger beim Musik Branchenmeetup in München. © Markus Tischner

Seit 2014 gibt es das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt München. Geleitet wird es von Jürgen Enninger. Hier spricht er über die Bedeutung und Herausforderungen der Kreativwirtschaft in München und erklärt, welche Angebote das Kompetenzteam macht.

Die Idee für das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft München entstand durch ein zuvor auf Bundesebene laufendes Projekt. Das Team ist Teil der Stadtverwaltung und besteht aus Mitarbeitern verschiedener städtischer Referate. Jürgen Enninger war früher Geschäftsführer von ENJA Records und im Bundesvorstand sowie als regionaler Sprecher des VUT aktiv.

Backstage PRO: Vor welchen Herausforderung steht die Kreativwirtschaft in München aktuell?

Jürgen Enninger: Also die größte Herausforderung ist in München das Thema Raum, das ist ganz klar. Günstig Wohnen und günstig Arbeiten. Wir haben eine Stadt mit der Fläche Dresdens, aber der Einwohnerzahl von Hamburg. Es ist schwer, die freie Szene einer Stadt zu entwickeln, weil man sich mit dermaßen teuren Rahmenbedingungen schwer tut. Schließlich ist die Stadt die teuerste in ganz Deutschland und dieses hohe Niveau wird sich aller Voraussicht nach noch weiter steigern.

Backstage PRO: Wie haben sich denn die Mietpreise, zum Beispiel für Proberäume, in den letzten Jahren entwickelt?

Jürgen Enninger: Wir haben die Mietpreise für kreativwirtschaftliche Arbeitsflächen sehr genau im Blick. Es gibt uns jetzt seit vier Jahren, und weil diese in dieser Zeit um ein Drittel gestiegen sind, kriegt man Angstschweiß auf der Stirn und fragt sich "Wo soll das denn noch hingehen?" Das ist ein Thema, das andere deutsche Städte auch trifft, aber München eben ganz besonders.

"Wir versuchen direkt an Proberaumanbieter zu vermitteln"

Backstage PRO: Als Musikband in München – wie oder wobei kann mir das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft helfen?

Jürgen Enninger: Wir sind im Bereich der wirtschaftlichen Weiterentwicklung tätig. Wir begleiten Bands was Marketing, Akquise und Netzwerke angeht in die Musikwirtschaft hinein, sei es Vertrieb, Label, Verlag oder Selbstvermarktung. Das ist letztlich die erste Frage: Wie will man in den Markt einsteigen? Eher selbstvermarktend, eher eine Aufteilung der Vertriebswege, …? Konkret geht es bei uns auch um das Thema Proberäume: Da versuchen wir direkt an Proberaumanbieter zu vermitteln.

Backstage PRO: Welche anderen Förderprogramme bietet das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft an?

Jürgen Enninger: Das Kompetenzteam verweist auf die Förderprogramme der Initiative Musik. Es gibt darüber hinaus noch die Förderprogramme des Kulturreferats für Musikstipendien. Zudem beraten wir im Hinblick auf Fördermöglichkeiten, was den Themenbereich "Raum" angeht und bieten damit durchaus ein "Beratungs-Komplettpaket" an. Wir sammeln fortlaufend die Raumbedarfe der Kreativen in der Stadt. Man kann uns per Email an kreativ@muenchen.de anscheiben. Wir nehmen auf, was konkret gebraucht wird und versuchen dann an die Raumangebote zu vermitteln, die es in der Stadt gibt.

Was im Musikbereich noch besonders gut funktioniert ist unsere Crowdfunding-Plattform. Wir haben dabei parallel auch ein Förderprogramm initiiert: Seit März 2018 bieten wir mit dem "Förderprogramm Crowdfunding-Kampagne" die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung von 50% für alle Kreativleistungen rund um die Crowdfunding-Kampagne, wenn man sich Münchner Dienstleister aussucht, die das Video machen, die Texte schreiben oder andere Aufträge erhalten. Damit bieten wir eine Art doppelte Förderung an: Wir fördern das Projekt, aber wir fördern ebenso die kreativwirtschaftlichen Zulieferer.

Backstage PRO: Vielleicht können Sie noch ein Wort dazu sagen, wie die Förderung über Musikstipendien läuft?

Jürgen Enninger: Das ist ein Programm des Kulturreferats, worauf man sich bewerben kann, um Fördergelder für Musikprojekte in Höhe von bis zu 6.000 Euro zu erhalten. Das Programm ist sehr offen gehalten und es kommen immer mehr Pop- und Jazz Projekte an Fördermittel. Das ist für Musiker auf jeden Fall auch eine gute Hilfe, zum Beispiel wenn es um eine neue Produktion geht oder darum, im Ausland zu touren

"Der Freistaat ist in München sehr aktiv"

Backstage PRO: Inwieweit sind sie als Team auch an andere städtischen Projekten beteiligt?

Jürgen Enninger: Als Teil der Stadtverwaltung werden wir stets bei allen Projekten hinzugezogen, die kreativwirtschaftliche Aspekte beinhalten. Zum Beispiel neue Planungsgebiete, Umnutzungen, Entwicklung neuer Förderprogramm etc.; insofern machen wir so ziemlich alles mit, was in diesen Bereichen in der Stadt passiert.

Und das Tolle ist, dass darüber hinaus der Freistaat in München ebenfalls sehr aktiv ist. Wir haben insbesondere im Medienbereich sehr viele Aktivitäten des Freistaats, was unsere Arbeit unterstützt. Ich denke dabei zum Beispiel an das Media Lab als Inkubator für junge Journalistinnen und Journalisten, die Start Ups bei der Gründung helfen oder an das Werk1 als Tech-Hub. Also es gibt da ganz viele modular aufeinander abgestimmte Aktivitäten, bei denen wir stets in enger Kooperation sind und die Themen gemeinsam entwickeln.

Backstage PRO: Welcher Austausch findet über München hinaus mit ähnlichen Institutionen statt?

Jürgen Enninger: Wir haben vor vier Jahren das "PCI-Netzwerk" mitgegründet – "Promoting Creative Industries". Darin sind alle Fördereinrichtungen in Deutschland eingebunden, die Kultur- und Kreativwirtschaft auf kommunaler, auf regionaler oder Landesebene betreuen. Mein Kollege Egbert Rühl von der Hamburg Kreativ Gesellschaft und ich sind gemeinsam Sprecher dieses Netzwerks, das insgesamt ca. 40 Einrichtungen umfasst. Hier besteht ein sehr konstruktiver, regelmäßiger Erfahrungsaustausch über alle Bundesländer hinweg, der dazu beiträgt, die Qualität unserer Arbeit zu sichern. So kann man jemandem, der von München nach Mecklenburg-Vorpommern zieht, immer noch einen Ansprechpartner bieten.

Backstage PRO: Vielen Dank, Herr Enninger und weiterhin viel Erfolg!

 

Termin-Tipp: Münchner Popmusik-Hearing im Dezember 2018

Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München veranstaltet in Kooperation mit der Fachstelle Pop und dem Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft im Feierwerk am Montag, den 3. Dezember 2018 von 13 bis ca. 21 Uhr ein Popmusik-Hearing. Das Ziel der Veranstaltung ist, Bedürfnisse und Anliegen verschiedenster Akteurinnen und Akteure zu sammeln und sichtbar zu machen, um die Münchner Popmusikszene besser unterstützen zu können.

Weitere Termine findest du stets im ► Branchenkalender.

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